Gemeinsam gestalten, Demokratie erleben: Der KJR Freising bei der Langen Nacht der Demokratie in Freising

Ein Sandkastengedanke. Ein Gedanke ans Kindsein. Unbefangen zu fragen: „Willst du mein*e Freund*in sein?“ Und im nächsten Moment spielte man zusammen. So einfach konnte es sein, dieses Aufeinander-Zugehen. Und wenn man sich stritt, war doch schnell wieder alles gegessen, weil das gemeinsame Spielen wichtiger war. Und dann war da noch der selbst gebackene Sandkuchen, den man zum ersten Mal formte und probierte. Kulinarisch, sagen wir, eine sehr erdige Interpretation. Die Verköstigung mag vielleicht die letzte ihrer Art gewesen sein, aber die Neugier, es auszuprobieren, war da.
Ein Farbkastenmoment. Farbe auf Stoff bringen. Und Menschen ein Stück näher zusammen. Wo es heißt: Hereinspaziert! Wo niemand erst etwas können muss, um mitmachen zu dürfen und der Pinselführerschein ganz einfach Neugier heißt. Ein Raum zum Ausprobieren, Werkeln und Verweilen. Wo Hände gestalten und Begegnungen ganz nebenbei entstehen.



Mit einer Siebdruck- und Mitmachaktion wurde der Marienplatz in Freising am 2. Oktober zu einem offenen Raum der Begegnung. Im bunten Geflecht der Langen Nacht der Demokratie brachte die Kreativstation Menschen zum gemeinsamen Gestalten zusammen. Besucher*innen konnten die fair produzierten Jutebeutel aus reiner Bio-Baumwolle mit verschiedenen Motiven und Sprüchen rund um das gesellschaftliche Miteinander bedrucken und anschließend individuell gestalten. Ermöglicht wurde die Aktion durch die Förderung im Rahmen des Projekts „Unterstützung Bürgerengagement“ der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Mittlere Isarregion e. V. im EU-Förderprogramm LEADER. Die Aktion zeigte, wie niedrigschwellige Begegnungsangebote Menschen miteinander ins Gespräch bringen und das gesellschaftliche Miteinander stärken können. Denn Demokratie lebt vom Austausch, von Begegnungen auf Augenhöhe und von der Möglichkeit, unabhängig von Alter oder persönlichem Hintergrund mitzumachen.
Von Beginn bis zum Ende der Veranstaltung waren alle Plätze durchgehend belegt. Was uns als Team berührt hat, war ein Bild, das dem Abend sein Gesicht gab: der Vielfalt derer, die an unseren Tischen Platz nahmen: Da waren Paare unterschiedlicher Generationen, Freundinnen, die sich eine kleine Mädelsauszeit gönnten. Da waren Großeltern mit ihren Enkeln, Eltern mit ihren Kindern und erwachsene Kinder, die nun ihrerseits die Eltern mitgebracht hatten. Ein Bild, das von einer Offenheit und Leichtigkeit erzählte. Man saß Schulter an Schulter und kam ganz nebenbei ins Ratschen und ins Lachen. Ein Raum zum Verweilen. Perfektion spielte dabei keine Rolle. Es ging ums Ausprobieren, um die eigenen Ideen und Gedanken. Wo der Alltag mal kurz leiser wird und das gemeinsame Tun in den Vordergrund tritt.

Am Siebdrucktisch verdichtete sich in zwei Sätzen der Gedanke daran, was unser Zusammenleben trägt. Der erste lautet: „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf!“ Er bringt zum Ausdruck, dass Demokratie nichts ist, was sich von selbst erhält, dass sie keine Selbstverständlichkeit ist. Wie ein Haus, das immer wieder instandgehalten werden muss, damit es ein Zuhause bleibt.

Der zweite Satz richtet den Blick auf das, was Menschen miteinander verbindet: „Das Einzige, was stärker ist als Hass, ist Liebe.“ Die Worte stammen vom Musiker Bad Bunny. In einer Zeit, die sich für viele unsicher und rau anfühlt, erzählen sie von der Möglichkeit, Brücken zu bauen, wo Gräben verlaufen. Sie erinnern daran, dass dem Trennenden etwas entgegengesetzt werden kann.
An den beiden Tischen daneben ging es weiter: Hier wurde gemalt, ergänzt, verziert und verwandelt, bis aus jedem Druck ein Einzelstück geworden war. Die Kinder legten sich mit großer Hingabe ins Zeug. Was am Ende auf den Tischen lag, machte uns schlichtweg baff: eine Fülle an Einfällen, an Farben und Formen, an Schönheit in all ihren Ausdrucksweisen.



Es war, in unserem Sprechjargon, „mausig“, zu beobachten, mit welcher Freude auch Erwachsene im kreativen Ausprobieren versanken. Ein kleines Plädoyer dafür, die Buntstifte nicht zusammen mit den Kinderschuhen abzulegen. Und am Ende nahmen sie etwas mit, das sie künftig begleiten kann: beim Wocheneinkauf, auf dem Weg zur Arbeit oder zum Kurs. Ein selbst gestalteter Begleiter, der mitten im Alltag leise daran erinnert, ihren Tag mit der eigenen Handschrift zu verschönern.
Ein Gedanke, der in keinen Kasten passt. Es gibt so viel mehr Farben, als ein Farbkasten fassen kann. Und an keinem Sandkasten hängt ein Schild „Nur für Kinder“. Irgendwo in jedem Erwachsenen sitzt noch das Kind mit der Schaufel in der Hand. Es kommt nur seltener zum Spielen, denn sie ist manchmal ein wenig eingestaubt vom Erwachsensein. Demokratie lebt davon, dass viele Hände mitmalen, dass Menschen ihre Ideen einbringen, von Kreativität, von den vielen Farben, die Menschen mitbringen. Dafür braucht es offene, niedrigschwellige Räume, in denen Menschen sich ausprobieren, miteinander ins Gespräch kommen und Gemeinschaft erleben können.
Der Kreisjugendring Freising bedankt sich bei allen Besucher*innen, die mit ihrer Teilnahme die Aktion bereichert haben. Ein besonderer Dank gilt der LAG Mittlere Isarregion e. V. für die Förderung und die damit verbundene Unterstützung des gesellschaftlichen Engagements vor Ort.
Förderhinweis: Ein im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023 – 2027 gefördertes Projekt im Freistaat Bayern.
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